satori

05 September 2008

Musik

Geronimi wrote:
Musik, Was wäre die Welt ohne Musik? An der Musik kann man ein seltsames
Phänomen gut nachvollziehen: Obwohl wir nur im JETZT leben, ist Musik nur in
der Zeit existent. Musik kann man nicht wie einen Film in Einzelbilder
zerlegen...

Silvia fragt: Wieso nicht?

Silvia: Töne, aus denen Musik gemacht ist, existieren selbstverständlich – im Falle
ihrer akustischen Aufführung – im Jetzt. Unser Gehirn speichert das „Vorhin
und das „Eben“ und macht daraus einen „Film“, so wie es aus Einzelbildern
Bewegungen zusammensetzt. Wir folgen den Klängen mit den Ohren genauso wie
die Augen Bewegungen folgen. Schall ist eine Folge vieler Töne... Klingt
doch plausibel, oder nicht?

Geronimos Kommentar:
Wie lang ist ein Ton? Ein Knall ist ein wenig im "Jetzt"! Ein Ton ist sicher in der Zeit.

Silvia: Oder besteht die Zeit vielleicht aus lauter kleinen Zeit-Teilchen, so dass
ein ewiger Fluss dieser Teilchen existiert und eine Unterscheidung zwischen
Augenblick, Gegenwart, Zukunft usw. sinnlos ist? (Es würde mich nicht
wundern, wenn ein gewisser Fred Alan Wolf die Musik quantenmechanisch
erklären würde, wo er doch soviel Enthusiasmus besitzt, jede Funktion des
menschlichen Körpers damit zu „hinterlegen“ ;-)
(erklären kann er es nicht wirklich).

Geronimos Kommentar:
Ein ewiger Fluss in was? Hier wird es sehr schwierig...

Silvia: Eher ist wohl dieses „Jetzt“ sinnlos. Alles bekommt nur einen Sinn durch das
Woher und das Wohin, durch Erfahrung und Möglichkeit. Wer LEBT eigentlich
tatsächlich im Jetzt? „Existieren“ wäre richtiger... Ein Leben im Jetzt wird
von wem wahrgenommen? Einzig der Tod hat ein Jetzt, und vielleicht noch
nicht einmal der...

Geronimos Kommentar:
Überlassen wir den Sinn einmal sich selbst...
Zeige mir die Vergangenheit oder zeige mir die Zukunft!
Auf was zeigst du da?
Und wenn du mir das Jetzt zeigen solltest? Wo zeigst du dann hin?

8 Kommentare:

Blogger Silvia meinte...

Selbstverständlich ist gespielte Musik als Abfolge von Tönen nur innerhalb der fortschreitenden Zeit möglich und auch nur dann als solche erkennbar. (Jedes Tun und Handeln findet in der Zeit statt.)

Ein Ton an sich muss nicht lang sein. Ein Knall ist auch ein Ton – ein extrem lauter und kurzer und in der Musik nicht wünschenswerter ;-)

Hier ein interessanter Link zu dieser Thematik:
http://www.univie.ac.at/Schroedinger/3_96/time16.htm

Übrigens: Mir ist noch nie in den Sinn gekommen mich zu fragen, wenn ich Musik mache, höre und genieße, wann denn nun genau dieses Ereignis stattfindet. Genau dann spielt nämlich die „Zeit“ für mich keine Rolle mehr...

Oder lassen wir den Physiker sprechen:
„Zeit ist, was passiert, wenn sonst nichts ist.“
(Richard Feynman)

5. September 2008 22:49  
Blogger The_meaning_of_life meinte...

...Das "jetzt und hier" zu erleben und vor allem zu gestalten ist sehr wichtig, aber wer NUR im "JETZT" lebt, hat leider keine eigene Vorstellung was er in seinem Leben wirklich will, oder ist zu bequem, selbst dafür etwas zu tun...also warten bis von aussen etwas auf einen zukommt und schaun ob es einem gefällt, oder auch nicht- Das nennt man dann im "jetzt" leben. Ich nenne es einfach planlos/ziellos umherirren....Aber irgendwann ist die eigene Zeit abgelaufen...

7. September 2008 17:59  
Blogger Geronimo meinte...

An the_meaning_of_life:

Im "Jetzt" leben heisst nicht ohne Vergangenheit und ohne Zukunft leben.

8. September 2008 17:03  
Blogger Silvia meinte...

Schade, das geht inzwischen alles am ursprünglichen Thema vorbei... (;-()

8. September 2008 19:26  
Blogger Geronimo meinte...

An silvia:

Alles scheint in der Zeit zu passieren, sonst hätten wir dieses Konzept ja nicht ;-)

Während man bei Bildern aber das Gefühl hat, sie instantan wahrzunehmen, ist es bei Musik einfach auffälliger.

Technisch gesehen kommen beim Musikhören an unsere Ohren lediglich unterschiedliche Druckschwankungen, d.h. Auslenkungen des Trommelfells und der Knochen. Das Gehirn nimmt eine sogenannte Fourierzerlegung vor und bildet Signale in der Zeit als Signale im Frequenzraum ab. (Da jedes Instrument i.d.R. viele, viele Obertöne besitzt, erstaunt es mich immer, wie das Gehirn all diese Obertöne den einzelnen Instrumenten zuordnen kann.) Während wir also permanent die Schallamplituden in Frequenzen zerlegen bewegt sich unser Geist gleichzeitig weiter in der Zeit. Ein fantastisches Kunststück ;-)

11. September 2008 16:29  
Blogger Silvia meinte...

Und trotz dieser enormen Arbeit unseres Gehirns fühlen wir uns dabei entspannt und können es genießen - es findet also gleichzeitig Anstrengung und Entspannung statt - wie während des Träumens (ein Thema für sich...), aber auch die Muskeln arbeiten ja bekanntlich antagonistisch: wir funktionieren mittels einer Unmenge von Rückkopplungen..

Gesprochene Sprache als weitere Form der menschlichen Kommunikation findet ebenso wie die Musik in der Zeit statt. Das Erkennen von einzelnen Instrumenten in der Musik anhand der Obertöne, die jeweils sehr spezifisch sind, beruht m. E. auf Erfahrung, genauso wie wir Stimmen uns bekannter Menschen wiedererkennen.

Ich bin jedoch ungeteilt Deiner Meinung, Geronimo: ein Kunststück - dieses Detail, der Mensch, sein Gehirn, das Leben an sich! Nutzen wir dieses Geschenk auf Zeit!

11. September 2008 22:22  
Blogger Silvia meinte...

Ein interessanter Aspekt aus einem Artikel von Claus Spahn, "Zeit online":

http://www.zeit.de/2008/41/OdE50-Musik?page=1

« Ist es nicht paradox, dass ausgerechnet die Musik, die untrennbar an die Zeit gebunden ist, die nicht anders kann, als zu vergehen und zu verklingen und nur im Augenblick lebendig zu sein, wie keine zweite Kunstform dem Menschen die Möglichkeit eröffnet, aus der Zeit herauszutreten? »

3. Oktober 2008 21:03  
Blogger Spunkmeyer meinte...

Interessanter Artikel. Vor Allem ist es interessant, das diese Musik von den Pygmäen keinen Anfang und kein Ende hat und sehr komplex in ihrer polyphonie ist. Diesen Blickwinkel hatte ich darauf noch nicht.

4. Oktober 2008 00:15  

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