2006-10-30

Addon zu: Viele interessante Personen

Was ist interessant?

In einem Kommentar zu einem früheren Posting möchte ein Jorge wissen, was dieser Typ Frau wohl suchen mag.

Das klingt interessant! Da ich noch immer ein wenig in diesem Thema stecke, muß dieser Frage gleich nachgegangen werden. ;-)

Was meint denn nun dieser Typ Frau mit interessant??

Es klingt hart, aber meiner Meinung nach meint dieser Typ Frau gar nichts!

Das muß ich wohl erklären. :-)

Anhand der Zielgruppe, die dieser Typ Frau in der Regel zum Finden von interessanten Personen auswählt (die Promis, die Besonderen, die Künstler), offenbart sie, dass sie selber keine Möglichkeiten besitzt, die interessanten Leute von den uninteressanten Leuten zu trennen. Sie muß sich vielmehr ein externes Gütesiegel besorgen, dass in diesem Falle von der Gesellschaft geliefert wird.

Die Anderen machen aus normalen Personen Promis, die Anderen definieren jemanden als Künstler, die Anderen legen fest, was das Besondere ist. Ohne diese Urteile und Wertungen dieser Anderen, wäre dieser Typ Frau nicht alleine in der Lage, zu erkennen, ob an dieser oder jener Person etwas Besonderes ist. Denn schon zum Erkennen des Besonderen, benötigt man Erfahrungen.

Für ein Kind ohne viel Erfahrungen ist entweder alles Besonders oder gar nichts oder mal dies und mal das. Es sucht. Es bildet sich langsam eigene Urteile. Je mehr Erfahrungen dieses Kind erwirbt, desto sicherer kann es das Interessante vom Unwesentlichen unterscheiden. In letzter Konsequenz ist dies tatsächlich überlebenswichtig.

Macht man zu wenig Erfahrungen, erwirbt man diese Fähigkeit nur in ungenügendem Maße.

Bevor der Leser aufstöhnt, sollte man aber gewisse Begriffe auseinanderhalten:

Erfahrungen sind nicht Erlebnisse! Erfahrungen sind vielmehr verarbeitete Erlebnisse. Ich kenne Personen (z.B. meine Tante, aber auch andere), die haben mehr als die halbe Welt bereist und haben eine Menge erlebt; sie haben aber keine Erfahrungen aus diesen Erlebnissen gewonnen. Sie sind durch die fremden Länder als typische Touristen gereist und haben fremde Kulturen nicht aufgenommen und verarbeitet, sondern konsumiert, wie man Soap Operas konsumiert (auch im Rest des Lebens kann man wie ein Tourist durch das Leben kommen).
Die Zeit oder vielleicht auch die Fähigkeit der Reflexion dieser Eindrücke fehlte. Oder vielleicht war auch kein Fundament oder kein Netz vorhanden, auf das diese Eindrücke aufgebaut bzw. in das sie eingewebt werden könnten.

So kommt es, dass diese Leute hektisch von Event zu Event hecheln, irrsinnig viele Sachen erleben, aber eigentlich nie so richtig etwas erfahren.

Das führt dann in weiterer Konsequenz dazu, dass diese Leute verzweifelt nach Maßstäben suchen, nach Kriterien, was hip oder out ist, was besonders oder alltäglich ist, was interessant oder uninteressant ist. Da kommen Definitionen der Gesellschaft dann wie gerufen.

Je mehr Erfahrungen man aber gemacht hat, desto sicherer kann man das Interessante vom Uninteressanten trennen (was allerdings auch nicht statisch ist und sich im Leben öfters mal verändern kann). Deswegen mag ich das Suchen der vielen interessanten Leute noch eher bei jungen Menschen tolerieren als bei älteren. Im Alter sollte man das Gespür dafür entwickelt haben. Ich sage extra Gespür, weil es nicht in Form einer expliziten Definition erfasst werden kann (Interessant ist: ...), sondern meistens auch ein sogenanntes Bauchgefühl ist (das ist ja das schöne am Menschen :-) ).

Nun wird dieser Typ Frau vielleicht auch irgendwie ein Bauchgefühl haben, aber unter Umständen sagt dieses Bauchgefühl nur: 'Oh das kommt mir bekannt vor, das klingt interessant!' oder 'Man, ist der berühmt...(staun)...und der will mit mir sprechen!'. Es fehlt an Reflexionen von etwas Neuem.

Die Tatsache, dass die Anderen schon für diesen Typ Frau entschieden haben, dass jene Person etwas Besonderes ist, führt dazu, dass die eigene Urteilskraft nicht geschult wird. Das wiederum
führt dazu, dass eigene Erfahrungen aus den Erlebnissen nicht gemacht werden. So wird das über Jahre und Jahre immer schlimmer...

Das meine ich also damit, wenn ich sage, dass nichts damit gemeint ist. Genauer: sie meinen etwas damit, was durch die Anderen definiert wird, von dem sie aber nicht wissen, wie es definiert wird, sondern nur, dass es definiert wurde ;-)) .

Ich weiss nicht, wie es dem Leser geht, aber bis auf die Ausnahmen, in denen mir erst hinterher klar wird, dass ich einen aussergewöhnlichen Charakter vor mir hatte (so etwas ist schon vorgekommen), verspüre ich schon relativ schnell ein Gefühl des Besonderen. Oft weiss ich nocht nicht einmal warum.
Das ist wie Musik die ich nebenbei im Radio höre:
Manche Leute können einfach so nebenbei Musik hören ohne eigentlich richtig zuzuhören; wenn ich nebenbei Musik höre und ich höre ein interessantes unbekanntes Stück, klingelt es bei mir sofort und mein Fokus wechselt auf die Musik. So als wäre ein zweiter Thread bei mir am Laufen, der sofort reagieren kann. Ähnlich sucht ein weiterer Thread wahrscheinlich nebenbei immer nach außergewöhnlichen Charakteren, ohne dass es mir bewusst ist.

Auch wenn das jetzt gerne missverstanden wird, aber es ist vielleicht so, wenn man als einziger Mensch nur unter Affen ausgesetzt wird und um der Einsamkeit zu entkommen sucht man dort verzweifelt nach irgendeinem Zeichen, einem Funkeln in den Augen der Primaten, das sagt: 'Ich bin auch hier ausgesetzt worden, ich gehöre auch nicht hier her, bitte verstehe mich!'. ;-) Das ist auf keinen Fall zu verwechseln mit 'Ich bin ein Star, hol mich hier raus!'

Da ich nicht alles in diesem Blog abdecken konnte, was vielleicht interessant an diesem Thema ist, hier noch zwei Lektüreempfehlungen, von denen ich denke, dass sie auch abseits dieses Themas sehr erhellend sind:

Esther Vilar: "Der betörende Glanz der Dummheit", dtv, 1998 ,(ISBN 3423361069)

oder etwas älter, aber dafür ebenso gut und deutlich fundamentaler:

Friedrich Waismann: "Wille und Motiv" (habe ich leider nur als Reclamausgabe)

2006-10-28

Dr. Harald Schink ist tot

Vor zwei Wochen starb Dr. Harald Schink an den Folgen eines Motorradunfalls.

Er war ein guter Freund und Kollege.

Er war ein genialer Physiker und beeindruckender Mensch.

Mit ihm habe ich viele Nächte in Physiklaboren verbracht. Von ihm habe ich viel lernen können.

Er war ein Mensch, der immer seinen eigenen Weg verfolgte und daher oft
formale Schwierigkeiten hatte, gegen die er sich meistens erfolgreich gewehrt hatte.

2006-10-27

"Viele interessante Personen"

Manchmal kommt es tatsächlich vor, dass ich mit relativ unbekannten Frauen in Gesprächskontakt komme ; entweder auf Veranstaltungen oder Parties oder wie neulich, weil ich eine Kollegin angesprochen habe und mich mit ihr zu einem Kaffee treffen wollte. Dann scheine ich auf die Frauen einen irgendwie interessanten Eindruck zu machen (ich weiss noch immer nicht so richtig warum!) und man kommt schnell in ein Gespräch.

Was ich bemerkt habe ist, dass ein gewisser Typ Frauen früher oder später zu mir sagen wird:
'Ich mag es, in diesem oder jenem Kreis zu sein, weil ich dort so viele interessante Menschen kennenlernen kann'. Darauf will ich hinaus.

Die Männer unter den Lesern sollten, sich mal explorieren, ob sie diesen Satz schon mal irgendwann gehört haben...Hoffentlich nicht bei ihrer Freundin, denn das wäre (um es vorweg zu nehmen) dann vielleicht nicht so der richtige Typ, um mit ihr alt zu werden (es sei denn man tickt irgendwie ähnlich. Aber dann arbeitet man wahrscheinlich in der erweiterten Werbebranche oder ist Manager).

Also zurück zum Thema:

Erinnert habe ich mich an diesen Satz im Sommer '06 auf unserer Abitur-Jubiläumsfeier. Dort hatte ich zwei Schulfreundinnen getroffen, mit denen ich damals kurz zusammen war. Sie waren damals richtige 'Feger', hinter denen jeder her war. Damals hatten sie mir beide unabhängig voneinander nebenbei auch erzählt, dass sie mal später Model werden wollten oder aber in die Szene der Prominenten (damals hießen sie noch Stars;-) ) rein wollten, weil man ja da (jetzt darf man raten:) 'so viele interessante Leute kennenlernt'. Damals habe ich das gar nicht richtig wahrgenommen und es hatte für mich auch keine Konsequenzen ;-)).

Nur: diese beiden Frauen hatte ich nun nach zig Jahren wieder vor der Nase (älter geworden, aber rein äußerlich nicht unbedingt häßlich!) und mir wurde erzählt, dass sie wohl beide Karriere bei der Zeitschrift Vogue gemacht hatten (wohl zuerst vor der Linse, später dann wohl in leitenden Positionen (Design / Modelagent)).
Und sie konnten sich natürlich auch nicht verbeißen, mir indirekt davon mitzuteilen:
...neulich in New York... und ...der Jauch ist ja auch ganz nett... usw., kurz: man ist in der ganzenWelt zuhause und kennt alles was einen bekannten Namen hat. Nach fünf Minuten war ich von dieser Unterhaltung so angepisst, dass es mir echt im Herzen weh tat, dass diese beiden Mädchen mal eigentlich ganz nette Personen waren, mit denen man ganz gut reden konnte (vor zig Jahren) . Jetzt war das unmöglich! In ein Ohr rein, und aus hygienischen Gründen durch das andere wieder heraus! Diese Frauen waren nicht nur auf dem Wege ihrer geistigen Reifung (die eigentlich jeder von uns Jahr für Jahr erfährt und manchmal in kleinen, unbemerkten Schritten erfolgt) stehengeblieben, ich hatte vielmehr den Eindruck sie wären ein Stückchen rückwärts gelaufen. Die Blödheit war penetrant! Wie in all diesen schlechten Klischees im Fernsehen! Verglichen mit den heutigen Gesprächen mit den damals blasseren Gestalten (den Mauerblümchen), die in den zig vergangenen Jahren vielleicht vielmehr Schicksalsschläge verarbeitet hatten (ja, nicht nur bekommen, wie wir wahrscheinlich alle, sondern auch wirklich _verarbeitet_ hatten) waren die Gespräche mit den beiden 'Schönheiten' nur nervtötend. Die innere Schönheit der damaligen Mauerblümchen war in den zig Jahren so aufgeblüht, dass sie in meinen Augen die äussere Erscheinung überstrahlte. Während die beiden Vogue-Mädchen zwar eine heute angesagte 1a Modellfigur hatten (zumindestens die eine!) aber, man muss es leider so sagen, durch ihre unreife Art irgendwie auch äußerlich häßlich wirkten.

Daher stammten also die Erinnerungen an diesen Satz, als ich diesen Satz jetzt wieder von der erwähnten Kollegin hörte, als sie mir erklären wollte, das sie ja gerne mit mir reden wolle, aber nur, weil sie es grundsätzlich mag, mit 'so vielen interessanten Leuten' zu reden.

Da diese Formulierung in meinen Ohren eigentlich unverständlich ist (bin ich interessant? oder bin ich es nicht? und wer ist interessant? und wer ist es nicht?), machte ich mir so meine Gedanken über diese schon öfters gehörte Wendung.

Was meinen all diese Frauen mit den 'vielen interessanten Personen'???
Jetzt erst sind wir beim Hauptthema dieses Blogs!

Die beiden Vogue-Mädels waren zwar nicht wirklich signifikant, aber immerhin schon mal ein erster Hinweis, dass das irgendwie in die Hose geht!
Soll heissen: Das Kennenlernen so vieler interessanter Personen scheint bei diesen Beispielen ja eher ein negatives Resultat erbracht zu haben (ja ich weiss: in meinen Augen, aber darum geht es eben in meinem Blog; s.u. These 2).

Manchmal hört man diese besagte Formulierung auch bei sogenannten Promi-Parties, wenn so ein blondes Dummchen vor die Kamera läuft. Da kann ich mir dann auch immer schlecht vorstellen, dass dieses Mädchen in 10 oder 20 Jahren, durch den Besuch dieser vielen Promi-Parties oder durch sonstwelche Beziehungen zu den vielen interressanten Leuten, mir irgendetwas Wesentliches zu erzählen hätte (außer vielleicht, dass sie die Nacktfotos beim Playboy niemals gemacht hätte, wenn sie nicht so viel 'wirklich erotischen und ästhetischen Gehalt' hätten; viel, viel später wird das dann nur noch lapidar zu 'ich war jung und brauchte das Geld'. Diese sarkastische Bemerkungen lag so in den Fingern ;-)).

Aber wahrscheinlich bin ich ungerecht. Nennen wir sie nicht Dummchen, sondern neutral dieser Typ Frau (ähnlich wie bei Harry Potter: duweistschonwer).

[Seltsamerweise findet man nur selten Männer, die dieses Verhalten zeigen. Männer haben interessant zu sein, aber sie suchen in der Regel so etwas nicht, weder unter Männern noch bei Frauen (jedenfalls sagen sie nicht, dass sie es suchen). Diese Tatsache ist sicher bedeutsam und könnte man zur Klärung auch mitbenutzen, weil sie viel über die Motivation aussagt. Ich werde das hier aber aus Platz- und Zeitgründen mal unter den Tisch fallen lassen.]

Woran liegt es also, dass trotz des aufrichtigen Wunsches, viele interessante Leute
kennenzulernen, diesen Frauen kein Erfolg beschieden ist?

These 1: Dieser Typ Frau und die vielen interessanten Personen geben ihr Bestes, aber leider können die vielen interessanten Personen nichts gegen die genetische Veranlagung dieser Frauen ausrichten.

These 2: Ich sehe das ganz falsch. Dieser Typ Frau hat in der Tat von den Kontakten profitiert und ist sehr wohl gereift! Da aber ich nicht mit so vielen interessanten Leuten zusammen war, kann ich das bloß nicht erkennen!

These 3: Dieser Typ Frau hat zwar von den Kontakten profitiert, kann es aber eben nicht so richtig rüberbringen wie es die wirklich vielen interessanten Leute selber können.

These 4: Die vielen interessanten Leute geben ihr Bestes, dieser Typ Frau auch,
aber das Gewünschte läßt sich vielleicht gar nicht so einfach übertragen; der Fehler liegt am falschen, nicht richtig funktionierenden Kommunikationskanal!

These 5: Die vielen interessanten Leute haben gar nichts zu bieten, d.h. sie sind eigentlich gar nicht so interessant oder anders: die Definition dieser Typ Frau von 'interessante Leute' ist eine andere, als meine Definition von interessanten Leuten! Das klingt ein wenig nach These 2.
Der kleine Unterschied ist aber hier, dass ich hier die unterschiedlich Definition des Begriffs untersuche, aber in These 2 die Definition ja durchaus gleich ist.

Nun denn, gehen wir ans Werk:

zu These 1): Erstens statistisch unwahrscheinlich (müsste sich irgendwie durch die Massen an dieser Typ Frauen rausmitteln)! und zweitens glaube ich auch nicht, dass die genetische Veranlagung bei diesem Lernverhalten eine so dominierende Rolle spielt. Beide Gegenargumente verpuffen allerdings, wenn (jetzt langsam lesen:) die genetische Disposition die Affinität zu den vielen interessanten Personen an das gleichzeitige Unvermögen, von dieser Gruppe zu lernen, koppelt. So etwas Ähnliches gibt es zwar in der Genetik (vgl. W. Bateson und R.C Punnet,[Evol.Comm. R. Soc. Report 3 (1906)] , guckt sowieso keiner nach, stimmt aber!) , ich halte das dann aber doch für entsprechend sehr, sehr unwahrscheinlich.

zu These 2): Könnte in der Tat stimmen! Dann lesen Sie aber das falsche Blog. Ich empfehle Ihnen dann, das Blog von Claudia Schiffer oder wie auch immer die aktuelle Schönheit heissen mag, zu lesen! Hier sind sie dann ganz falsch!.

zu These 3): Das lasse ich einfach nicht gelten. Wenn man irgendwie davon positiv profitiert hat, sollte man das auch irgendwie (wenn auch nicht perfekt) artikulieren können! Oder glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, dass ich die Relativitätstheorie verstanden habe, ich Ihnen das aber nicht so einfach erklären kann? Stimmt! Sie könnten es mir tatsächlich glauben! Also ok, es kann Sachen geben, die man im Prinzip verstanden hat, aber nicht so richtig erklären kann. Der Gehalt eines Witzes wäre ein anderes Beispiel: Witze kann man verstehen, aber jemandem den Witz zu erklären, muß nicht dazu führen, dass der andere den Witz auch verstanden hat und deswegen auch lacht. Die Fähigkeit zu Verstehen und das Vermögen, dies auch vermitteln zu können, muß daher nicht unbedingt zusammen auftreten. Lassen wir die These also bedingt zu. Bedingt deshalb, weil dieser Typ Frau damit nicht selber in den Kreis der vielen interessanten Leute aufrückt, weil sie ja nichts weitergeben kann (um bei der Biologie zu bleiben: also eher nur ein Phänotyp als ein Genotyp ;-)). Wir merken uns: These 3 bedingt! Nennen wir das Ergebnis die stumme Weise. Auf dieses Ergebnis gehe ich im folgenden aber nicht weiter ein, weil das Ergebnis für mich (und sicher auch für diesen Typ Frau) einfach zu tragisch ist.

zu These 4): Tja schade! Ob es nun der Kommunikationskanal ist oder nicht, für diesen Typ Frau bringt es nichts. Wäre zu überlegen, ob man das vielleicht nicht verbal/auditiv aufnimmt, sondern vielleicht oral?. Vielleicht muß man die vielen interessanten Leute abschlecken. Oder haptisch? Man muß die vielen interessanten Leute betatschen und abfummeln! Oder über das vomeronasale Organ? Sich immer dicht an den vielen interessanten Leuten halten und tief einatmen! Oder gar genital...das will ich hier aber nicht weiter ausleuchten! Ich gehe mal davon aus, dass von den verschiedenen Aspirantinnen alle Wege mehr oder weniger ausgetestet worden sind. Wenn ein bestimmter Übertragungsweg besonders gut funktioniert hätte, hätte sich dieses Verfahren per natürlicher Selektion irgendwie durchgesetzt und man hätte Erfolge gesehen. Also kann man davon ausgehen, dass, wenn nichts kommuniziert werden kann, es auch nichts zu kommunizieren gibt. [Das ist wie in der Physik: Teilchen, schneller als das Licht (Tachyonen) könnte es theoretisch geben. Es gibt sie aber einfach faktisch nicht, weil man sie praktisch und eigentlich auch theoretisch niemals messen könnte.]

zu These 5): Ja, das ist mein Favorit. Also: Dieser Typ Frau und ich verstehen unter dem Ausdruck viele interessante Leute etwas total Unterschiedliches (das bezieht sich natürlich nur auf die Semantik des Wortes interessant)! Zunächst will ich mal versuchen, anhand der Zielgruppe die Definition herauszuarbeiten, die dieser Typ Frau wohl hat.
Wenn dieser Typ Frau diese Kreise mit so vielen interessanten Personen beschreibt, sind das meistens Prominente (überwiegend, der Rest kommt gleich). Was haben Prominente gemeinsam? Gut, sie sind prominent! Wie wird man prominent? Man leistet Außergewöhnliches, wie z.B. Veronika Feldbusch/Pooth...gut, das war absichtlich daneben geschossen! Man leistet Außergewöhnliches wie z.B. Michael Schumacher, der ganz schnell im Kreis fahren kann! Klingt doch interessant! Oder....Thomas Gottschalk, der kann immer so schön Grinsen und die Frauen angrabbeln! Naja, klingt ja auch ein bischen interessant. Oder...Angela Merkel, die ist zur Zeit der oberste Boss und weiss wo es lang geht, oder zumindestens zeigt sie uns, wo es lang geht, oder zumindestens will sie uns zeigen, wo es lang geht. Klingt auch irgendwie interessant...naja!
Oder....Brad Pitt. Der ist bestimmt ein interessanter Typ...Ich kenn zwar einen, der in einer Autowaschstraße arbeitet, der sieht genauso aus wie Brad, aber was ist Aussehen schon? Die inneren Werte von Brad zählen ja. Oder nicht? Er ist ja so furchtbar nett! Naja, lassen wir das mal so stehen...Also ich muß ehrlich sagen, ich würde meinen Wecker nicht stellen, um einen Termin mit einer dieser Personen einzuhalten, da wäre mir mein Schlaf wichtiger. Und das ist keine Metapher, sondern ich meine es tatsächlich so! Also der Promistatus alleine kann schon mal keine Übereinstimmung (zwischen mir und diesem Typ Frau) in der Definition von viel interessante Leute liefern. In meinen Augen können Promis interessant sein, aber sie müssen es nicht! Wer Promi sein möchte, besitzt in meinen Augen sogar Eigenschaften, die mich nicht die Bohne interessieren! Ich möchte sogar behaupten, dass unter den Promis unterdurchschnittlich viele Personen interessant sind, verglichen mit der normalen Bevölkerung. Würde ich interessante Personen kennenlernen wollen, versuchte ich die Prominenz eher zu meiden. Das heisst nicht, dass es auch Prominente gibt, die interessant sein können, aber in meinen Augen tritt eben in dieser Gruppe diese Eigenschaft seltener auf! Das entspricht einfach meiner kleinen Erfahrung (...und ich kann mit Stolz behaupten, dass ich schon Korrespondenz mit 2 Nobelpreisträgern hatte und auch mit bekannten Fernsehmoderatoren auf Du bin ;-) . Und Jörg Pilawa hätte ich heute in Hamburg immerhin fast überfahren! :-)) ). Wir halten also fest: Bei Promis hat dieser Typ Frau und ich unterschiedliche Einschätzungen des Interessantheitsgrades!

Was gibt es noch, was dieser Typ Frau anvisiert, wenn es diese besagten Kreise meint?
Es sind Leistungsträger! Also nicht in meinem Sinne: Leistungsträger tragen die Leistung fort, die andere erbracht haben ;-) , sondern im allgemein anerkannten Sinn: Leistungsträger, das sind die starken Löwen, die MarathonMen, die IronMen, die Künstler, die Kreativen, die Besonderen eben!

Nun, Löwen kenne ich keine, aber hochrangige Manager kenne ich persönlich, die mehrere Tausend Personen unter sich haben und in gewisser Weise für deren Schicksal verantwortlich sein sollten. Nun, ich muß sagen, ich kenne sie schon aus Schüler- oder Studentenzeiten, deswegen möchte ich mich mit einer harschen Kritik zurückhalten, aber so richtig interessant sind mir die niemals vorgekommen, eher uninteressant (früher sogar Knallköppe oder schon damals charakterliche Ruinen). IronMen/MarathonMen kenne ich keinen persönlich (d.h. keinen von internationalem Ruf), vielleicht sind die ja interessant? Welche
Kraft treibt diese Leute, ihren Körper so abzustrafen? Wäre schon mal interessant, das zu erfahren...aber außer den Sachen mit den Endorphinen wird man da wohl nicht Neues hören.
Fixierung des kompletten Lebens auf ein kleines Ziel (wie bei Bergsteigern, da wird der Berg ja oben auch meist kleiner im Querschnitt).
Nunja, bedingt interessant für mich, aber meine Begeisterung hält sich auch hier in Grenzen. Fixierung auf Details kann man auch als neurologische Ausfallerscheinung betrachten, die die breit angelegte Fähigkeit des gesunden Großhirns auf einige Spezialgebiete reduziert, die dann mit besonderer Intensität betrieben werden (Idiot Savant hießen diese Leute früher). Nicht gerade mein Vorbild. Ich habe immer versucht, genau das zu vermeiden. Wenn es irgendwo zu gut lief, habe ich mir was anderes gesucht. Also nicht gerade interessant für mich.
Künstler, die Kreativen und die Besonderen? Einige scheinen sehr interessant zu sein, das sind dann aber eher diejenigen, die sich eigentlich nicht ins Licht drängen, sondern denen es schon fast peinlich ist, dass sie 'nur das eine' so gut können. Paco de Lucia, der Ausnahme-Flamencogittarist ist z.B. so ein Typ. Aber oft sind es Egomane oder eindimensionale Wesen.Obgleich ich oft Respekt für deren Leistungen aufbringen kann, sind sie aber von der gesamten Persönlichkeitsstruktur eher wenig interessant für mich. Am Erfolg oder der Berühmtheit ausgerichtete Leben, berechenbar und für mich eigentlich gut verständlich. Manche mögen sich extrem gut vermarkten können, aber sorry, es juckt mich nicht. Es ist eine Fähigkeit, die ich nicht besitze, aber die ich auch nicht besitzen möchte.
Also auch hier: Unterschiedliche Bewertung des Interessantheitsgrades dieser Gruppe.

Ich bin aber auch ein Nörgler! Finde ich denn keine anderen Personen interessant (womöglich etwa nur mich selber?!)? Naja, da gibt es schon welche. Aber ich habe Schwierigkeiten, die irgendwie zu klassifizieren oder zu gruppieren. Dann wären sie nämlich nicht mehr interessant. Es sind z.B. Leute, wie der Spinner in der Hotellobby, der mich und meine Kollegin abends in Augsburg 2 Stunden volltextete und mich faszinierte, weil er bruchstückhaftes Wissen auf allen Gebieten auf die geschickteste Art zusammenpackte. Er wurde wohl von einem Professor der 'heilige Martin' genannt, wie er selbst berichtete, was ihn irgendwie richtig beschreibt. Kein religiöser Mensch, aber ein Sucher, ein Forscher in seinem eigenen Universum. Auf der Suche, nach dem Sinn. In meinen Augen waren seine Theorien völlig löchrig und spinnig, aber solche Leute bringen die Welt auch vorwärts weil sie anders ticken.
Oder der Lebenskünstler, der in meinem Jahrgang ein Super-Abi machte und dann Anthropologie studierte und nun als Obdachloser durch die Gegend zieht,
oder der Physiker Lee Smolin, der als renommierter Physiker der etablierten Physikergemeinde aufzeigt, dass es dort mittlerweile wie in einer Kirche zugeht, oder auch der Angestellte, der seine Wünsche und Hobbys über ein komplettes Arbeitsleben irgendwie am Leben gehalten hat und lebendiger und mitfühlender Mensch geblieben ist, oder die Mutter, die ein Kind in Afrika erfolgreich groß gezogen hat, oder das Leben des toten Soldaten auf dem Friedhof der Helden (wenn er denn noch zu mir reden könnte)....oder...oder...oder....All das sind Personen, die für mich interessant sind, aber die ich nur unter Schmerzen in Klassen pressen kann, sie laufen mir einfach über den Weg! Da brauche ich in keine "Kreise" einzutauchen...

Das ist vielleicht der Unterschied: meine interessanten Leute laufen mir über den Weg, während dieser Typ Frau diese Leute als definierte Gruppe sucht.

Ich glaube daher, dass die These 5 stimmt: Das Suchen nach vielen interessanten Leuten ist ein sinnloses Unterfangen, da man diese Leute nach meinem Empfinden nicht in einer speziellen Kategorie findet, sondern sie eigentlich überall trifft bzw treffen kann. Gewisse Personen als
von vornherein als interessant oder nicht interessant abzustempeln führt genau zum Verlust der Wahrnehmung dieser vielen interessanten Personen.

Wer sich vorher schon die Überraschung definiert, bekommt sie einfach nicht!
(Das ist vielleicht ähnlich wie mit dem absurden Imperativ der Frau, mit dem sie aber wohl gut zurecht kommt: Überrasch mich doch mal spontan!)

Und genaus wichtig ist: Interessante Menschen kann man manchmal auch nur nachträglich erkennen, wenn man länger über die Gespräche nachgedacht hat oder vielleicht auch erst dann, wenn man andere katalysierende Erfahrungen gemacht hat, die vielleicht dieses oder jenes Gespräch in anderem Licht erscheinen lassen können.

Ich bin daher der Meinung:

Wer sich rühmt, nur die interessanten Menschen und Meinungen zu suchen, bekommt nichts!
Und das Ergebnis manfestiert sich manchmal zig Jahre später auf so grausige Weise, wie auf meiner Abi-Jubiläumsfeier.

Oder noch schlimmer: Er bekommt nur ein Echo seiner Selbst, das er fälschlicherweise für interessant hält! Eine fatale Selbsttäuschung und Selbstbeweihräucherung, die anfangs bei gutaussehenden Personen noch funktionieren mag, zig Jahre später, wenn die Schönheit schwindet, aber nicht mehr.

Oder kürzer und praktischer: Wer den Hammer in der Hand hält, sieht nur noch Nägel!

Oder anders: Wer nichts Bestimmtes sucht, kann viel Neues finden!

Wenn ich das nächste Mal eine Frau zu mir sagen höre: 'Ich suche das Gespräch mit interessanten Menschen', kann ich entspannt auf dieses Blog verweisen ;-)